Die Fahrt

Bei einer Kamerafahrt ändert sich die Bildperspektive, während die Brennweite konstant bleibt. Die Kamerafahrt wird auch – im Gegensatz zum Zoom – Realfahrt oder Schienenfahrt genannt. Solche Kamerabewegungen verstärken den räumlichen Eindruck, da im Bildvordergrund vorhandene Objekte sich perspektivisch verschieben. Der so ständig wechselnde Bildinhalt erzeugt Spannung und Aufmerksamkeit. Fahrten können auf allen Achsen unseres dreidimensionalen Raumes stattfinden. Folgende Kamerafahrten sind üblich:

Verfolgerfahrt
Wie der Name schon verrät, verfolgt hierbei die Kamera eine sich bewegende Person bzw. ein Objekt. Dabei kann sich die Kamera in einer Parallelfahrt zur Person/zum Objekt bewegen oder hinter der Person/dem Objekt fahren und damit in Bewegungsrichtung filmen.

 

 

(„Die fabelhafte Welt der Amélie“, Universal, F 2001)

Alternativ dazu kann sie vor der Person/dem Objekt fahren und damit entgegen der Bewegungsrichtung filmen. Dies ermöglicht einen Blick auf das Gesicht und damit auf die Gefühlslage einer sich bewegenden Person.

 

 

 

(„2001-Odyssee im Weltraum“, Warner, GB 1968)

Verbindungsfahrt
Wie bei einem Verbindungsschwenk verbindet diese Fahrt zwei Personen und/oder Objekte visuell und inhaltlich miteinander.

 

 

 

(„Die fabelhafte Welt der Amélie“, Universal, F 2001)

Zu- oder Wegfahrt
Die Fahrt auf eine Person zu oder von ihr weg wird sehr häufig verwendet, weil sie vielfältige dramaturgische Effekte bereithält. Das Gleiche gilt für Objekte. Durch eine langsame Zufahrt auf eine Person wird das emotionale Moment der Situation verstärkt, durch eine schnelle Zufahrt erhöht sich die Spannung oder Komik. Eine Zufahrt auf ein Objekt erhöht dessen Bedeutung.

 

(„Die fabelhafte Welt der Amélie“, Universal, F 2001)

 

Eine langsame Wegfahrt kann einerseits den Zuschauer emotional vom Geschehen wegführen, andererseits kann sie erklärende Funktion haben, weil sie durch die Vergrößerung des Bildaus-schnitts dem Zuschauer einen größeren Blick auf das Geschehen ermöglicht.

 

 

 

 

(„M-Eine Stadt sucht einen Mörder“, Universum, D 1931)

Professionell gestaltete Kamerafahrten werden in aller Regel mit einem Kamerawagen, einem Dolly (auf Gummireifen oder Schienen), einer Steadycam oder mit einem Kamerakran gemacht, da nur mit ihnen ruhige, nicht verwackelte Fahrten möglich sind

Kranfahrten werden häufig eingesetzt, um dem Zuschauer nach und nach den Blick auf einen größeren Bereich freizugeben und sie enden in den meisten Fällen in einer Totalen oder einer Panoramaeinstellung.

 

 

 

(„Abbitte“, Universal, GB/F 2007)

Der Filmausschnitt zeigt in einer Bild-in-Bild-Montage, wie eine solche Kranfahrt realisiert wird. In den letzten Jahren sind die Kameras kleiner geworden und die Kräne werden von den Kameraleuten vom Boden aus ferngesteuert bzw. deren Bewegungen vorab programmiert.

 

 

 

 

(„Sonnenallee“, Highlight, D 1999)

Besonders eindrucksvoll wirken Szenen, in denen Fahrten sowohl mit unterschiedlichen Mitteln als auch verschiedenen Richtungen kombiniert werden, z. B. eine anfängliche Steadycam-Fahrt endet nach einem Schnitt in eine aufsteigende Kranfahrt.

 

 

(„Paris, je t’aime“, Universum, F/CH/D/L 2006)