Kapitel 6: Storytelling - Eine Heranführung - Hauptfigur

Wer ist die Hauptfigur und warum ist sie interessant?

Das Kreieren einer Hauptfigur (und natürlich auch ihres Gegenspielers) ist ein spannender Prozess, der durchaus auch Spaß machen kann. Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Dennoch sollten einige Dinge beherzigt werden:

Die Hauptfigur muss nicht von vornherein sympathisch sein. Wenn die Zusehenden emotional Anteil nehmen sollen an ihrem Schicksal, dann sind vor allem wichtig:

Wie unterscheidet sich die Hauptfigur von anderen Personen in der Geschichte?

Sind Charakter, Herkunft, Erscheinungsbild und persönliches Umfeld der Hauptfigur glaubhaft und nachvollziehbar für die Zusehenden?

Sind Auftreten und Handeln der Hauptfigur verständlich und beeinflusst die Hauptfigur damit die Fortentwicklung der Geschichte?

Man wähle als Hauptfigur keinen „Allerwelts-Typen“, sondern jemanden, der Interesse weckt.

Interessant wird eine Hauptfigur auch dadurch, dass sie nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen hat. Das können psychische bzw. menschliche Schwächen (z.B. eine Charakterschwäche, ein Laster oder eine Phobie) oder physische Schwächen sein. Schwächen erleichtern den Zusehenden, sich der Hauptfigur näher zu fühlen oder sogar sich mit ihr zu identifizieren, denn „Nobody is perfect“. Und es kann den Sympathiewert der Hauptfigur erhöhen.

Die Angst vor Schlangen des „Indiana Joes“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie. Und „Superman“, hat zwar Superkräfte, Kryptonit aber ist für ihn tödlich. Die Liste mit verwundbaren Helden reicht zurück bis in die griechische Mythologie. Man denke nur an den eigentlich unverwundbaren Achilles und seine Ferse…

Man gebe der Hauptfigur unbedingt eine Schwachstelle!

Damit eine Hauptfigur authentisch erscheint, sollte man ihr auch eine Vergangenheit geben, denn daraus lässt sich vieles, was die Hauptfigur ausmacht, ableiten: ihr Charakter, ihre Bedürfnisse, die Motivation für ihr Handeln und – nicht selten – sogar die Konflikte oder Probleme, die sie lösen muss. Für einen Kurzfilm reicht da manchmal schon eine kleine Begebenheit, die den Zusehenden – z.B. in Rückblenden oder durch ein Schriftstück – offenbart wird.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Figur des „Harry Potter“, die sich im Wesentlichen durch die Ermordung von Harrys Eltern durch den bösen „Voldemort“ und die daraus entstandene (magische) Verbindung zwischen beiden Figuren definiert. Dieses Ereignis fand in der Vergangenheit statt, als Harry noch ein Baby war. Buch und Film beginnen aber mit einem elfjährigen Harry.

Man gebe der Hauptfigur ein Leben vor der Zeit, die sie im Film durchlebt!

Eine Hauptfigur sollte in der Lage sein und die Möglichkeit bekommen, sich durch das, was sie in der Geschichte durchlebt – meist ein schwer zu lösender Konflikt – zu verändern. Um zum Ziel zu gelangen, muss sie ihre gewohnten Verhaltensweisen aufgeben und ggf. über sich hinauswachsen können.

In „Gran Torino“ erfährt der engstirnige und rassistische Protagonist Walt Kowalski dank der durchlebten Konflikte einen Charakterwandel und wird zum tragischen Lebensretter für seine asiatischen Nachbarn.

Wenn es die Geschichte erlaubt, verleihe man der Hauptfigur einen wandelbaren Charakter!

Aufgabe: Führen Sie eine                                                                Ihrer Lieblingsheldin bzw. Ihres Lieblingshelden durch.